I’ve been sleeping so strange at night

Die ganze Geschichte fing im Dezember an und neigt sich mittlerweile ihrem Ende zu, vorerst. Ich war für drei Tage im Kurzurlaub. Der Liebste und ich hatten telefonischen Kontakt, und er erzählte an Tag 1, dass er etwas schlecht geschlafen habe, ansonsten war alles unauffällig alltäglich. An Tag 2 war er recht jovial und insgesamt guter Laune, obwohl er auch diese Nacht nicht besonders gut geschlafen habe. An Tag 3 rief er zwei- oder dreimal an und erzählte jedesmal inhaltlich identische Dinge, unter anderem dass er nachts gar nicht geschlafen habe, den ganzen Tag verwirrt sei und eher aufgekratzt als müde, dass er alles mögliche probiert habe, um zur Ruhe zu kommen, dass er sich so gut mit seinem Vater unterhalten habe und sich ausserdem gerade ein Auto bei einem Händler angesehen habe, was er dann auch bald zu kaufen beabsichtigte.

Vielleicht bin ich selber zu zwanghaft und sicherheitsorientiert, aber das kam mir seltsam vor: sich ein Auto ansehen und es dann direkt kaufen wollen. Ich riet, mindestens eine Nacht drüber zu schlafen, ja, überhaupt erstmal zu schlafen. Man merkte selbst auf jene Distanz: dieser Mensch dort ist sehr unausgeruht, er benimmt sich nicht wie sonst, er denkt nicht wie sonst und er ist irgendwie überreizt. Ich rang ihm das Versprechen ab, bei weiterer Schlaflosigkeit auf jeden Fall am nächsten Tag den Hausarzt aufzusuchen und sich krankschreiben zu lassen. Man kann schlecht arbeiten gehen, wenn man so neben sich steht und dauernd identische Dinge erzählt, weil man vergessen hat, dass man das schonmal sagte. Temporärer Miniatur-Alzheimer macht das Leben nicht sonniger.

Tag 4, ein Donnerstag, begann mit einer SMS des Liebsten, in der er mir mitteilte, nicht geschlafen zu haben und deswegen beim Arzt gewesen zu sein. Er würde sich dann jetzt mal ins Bett legen und richtig ausschlafen. Nun denn. Ich packte meinen Koffer und fuhr zurück in mein normales Leben. Während der Autofahrt rief er mich an, um mir zu sagen, dass er mir was erzählen musste, aber das unmöglich am Telefon tun könne. Seltsam. Vielleicht hatte er vergessen, dass wir verabredet waren und ich direkt aus dem Urlaub zu ihm fahren wollte? Ich war zum Zeitpunkt des Telefonates etwa 120 km entfernt, leicht irritiert und fing an mich zu sorgen.

Eine gute Stunde später stand ich dann vor ihm. Geschlafen hatte er nicht. Müde sah er aus und ein bisschen zerzaust. Abgesehen davon wirkte er nicht unnormal und er freute sich sehr mich zu sehen. Dass er mir dringend was erzählen wollte war ihm mittlerweile wieder entfallen. Naja, vielleicht war es ja nichts Wichtiges. Ich hatte trotzdem ein doofes Gefühl, irgendwas argwöhnisches war da in mir, ganz untypisch für mein sonstiges Ausleben von Wiedersehensfreude. Eigentlich bin ich in solchen Momenten wie ein junger Hund, ganz aufgeregt und euphorisch und kaum zu bremsen. Ich schob sämtliche negativen Gedanken beiseite, packte den Liebsten ein und nahm ihn mit zu mir nach Hause. Nebeneinander schlafen wir normalerweise immer am besten, und eine gute Mütze Schlaf konnten wir wohl beide gebrauchen.

[Fortsetzung folgt.]

~ von firstofthegang am 5. März, 2008.

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