I need a holiday

•13. März, 2008 • Kommentar schreiben

[Fortsetzung / Freitag]

Der Liebste und ich schliefen gute 7-8 Stunden in der Nacht. Am nächsten Tag wirkte er morgens viel entspannter und war auch wieder besser beieinander. Nach einem ausgiebigen Frühstück und dem gemeinsamen Konsum einiger der leichteren Unterhaltung zuzuordnender Fernsehformate verliess ich am späten Vormittag das Haus, um meiner Arbeit nachzugehen. Bis dahin war alles unauffällig und ich dachte zu diesem Zeitpunkt wirklich, diese Verwirrtheit der letzten Tage war nur eine Folge des Schlafmangels und mit einer gut durchschlafenen Nacht vorbei. Aber weit gefehlt…

Als ich frühabends nach Hause kam, erzählte der Liebste mir, er hätte den Tag weiterhin vor der Glotze verbracht und sei besonders von einer Gerichtssendung positiv überrascht gewesen. Die Sendung scheine ja gar nicht so schlecht zu sein, wie er bis dahin immer angenommen hatte und vielleicht sähe er sie sich jetzt öfters an. Ein bisschen wunderte ich mich ob der plötzlichen Fernsehbegeisterung meines ansonsten fernsehhassenden Freundes. Das passte so gar nicht zu ihm, aber Menschen ändern sich ja beizeiten und vielleicht brauchte er einfach ein wenig Berieselung. Zeit, um das Thema mit ihm durchzudiskutieren hatte ich sowieso nicht, weil ich an dem Abend in einer Kneipe eine Party eines Bekannten “hosten” musste, also der Mensch war, der die Verantwortung trägt und den Laden nachts wieder zumacht. Ich tat die Äusserung also als kleine Merkwürdigkeit ab und wir machten uns gemeinsam auf den Weg zu der Party.

Der Abend verlief recht nett und auch der Liebste nahm Anteil am Geschehen. Zwischendrin wirkte er phasenweise ein wenig abwesend und müde, aber das schob ich auf den schlechten Schlaf der letzten Tage. Auf mein Anraten hin verzichtete er an diesem Abend auf Alkohol und ähnliche Rauschmittel. Wir hatten am Tage davor versucht herauszufinden, woher denn sein Schlafproblem kommen könnte, und ich riet ihm, in nächster Zeit etwas mehr auf sich zu achten und vor allem eine gute “Schlafhygiene” zu fördern, also für eine Weile rauschabstinent zu sein, für eine angenehme Schlafumgebung zu sorgen, nicht zu spät zu essen, usw.

Zuhause angekommen wollte ich eigentlich nur noch ins Bett, es war auch schon nach 3 Uhr und ich fühlte mich wie erschlagen. Wie man das als Paar so macht, redeten wir noch ein wenig vor dem Zubettgehen und liessen den Tag Revue passieren. Das uferte allerdings bald aus und es entwickelte sich daraus ein mehrere Stunden dauerndes Gespräch, indem der Liebste plötzlich, wie wenn jemand einen Schalter umgelegt hätte, sehr befindlichkeitsfixiert scheinbare Kleinigkeiten zu grossen Lebensproblemen aufbauschte. Zum einen waren das einzelne Begebenheiten aus seiner Kindheit, die er im Nachhinein als sehr schlimm darstellte und auch nicht wirklich davon abzubringen war, obwohl ich ihm erklärte, dass das doch sehr normative Erfahrungen wären, also Dinge, die jeder in seiner Biographie vorfindet. Da kamen zum Beispiel nicht erfüllte Kinderwünsche zur Sprache oder ähnliche kleine Enttäuschungen, die ich persönlich unter “charakterfördernd” verbuchen würde. Zum anderen schien er auch auf einmal sehr unzufrieden mit einigen Dingen seines momentanen Lebens, was ich bis dato nicht von ihm gehört hatte. Wir reden sonst offen und über alles, und es hat mich in dieser Situation wirklich sehr gewundert, dass ich da von Problemen erfuhr, die er nie zuvor geäussert hatte. Man merkte in dem Gespräch, dass er sehr krasse Gedankensprünge hatte und teilweise nicht kausal zusammenhängend erzählte. Darauf angesprochen schob er es auf seine Müdigkeit. Ich hörte aber weiterhin verständnisvoll zu und versuchte, ihm das Gefühl zu geben, dass sicherlich bald alles in Ordnung käme und ich ihm gerne dabei helfen würde.

Gegen 8 Uhr morgens beendeten wir dann das Gespräch, weil ich einfach nicht mehr konnte und fast einschlief. Er konstatierte daraufhin, dass er vielleicht einfach nur mal Urlaub bräuchte und jetzt auch müde wäre. Wir legten uns hin und ich schlief sofort ein. Zwei Stunden später weckte er mich mit einem fröhlichen “Aufstehen, Frühstück!” und konnte es gar nicht verstehen, dass ich eher erbost als erfreut war. Essen war das Letzte, was ich in diesem Augenblick sehen wollte. Ich moserte ein wenig rum, erfuhr dabei, dass er gar nicht geschlafen hatte und sich hellwach fühlte, während ich kaum aus den Augen gucken konnte. Ich legte mich dann nochmal für ein paar Stunden hin. Für den restlichen Samstag fehlen mir einige Erinnerungen.

[Fortsetzung folgt.]

When the party ends

•11. März, 2008 • 13 Kommentare

Das wars mit dem lustigen Studentenleben. Nun muss ich mir eine Arbeit suchen, und weil ich nicht so gern mit meinen Talenten wuchere und mich wie sauer Bier anpreise, mache ich mir jetzt schon Sorgen, ob ich überhaupt etwas Gescheites bekomme. Ich bin einfach keine Rampensau.

Dass ich nicht mehr zum Kreis der Studierenden gehöre, erfüllt mich nicht mit Trauer. 13 Semester sind dann auch mal genug und ganz ehrlich: irgendwann konnte ich die immergleich gelangweilten Gesichter der Mitstudenten nicht mehr ertragen. Das war vor gefühlten 6 Semestern. Jetz habe ich also fertig. Notgedrungen werde ich jetzt seriös, als zukünftiger Arbeitnehmer sollte man vielleicht keine Geschichten von lustigen Wochenenden oder seinem Softdrinkkonsum erzählen. Wenn, dann nur sehr anonym.

[Dies nur noch dazu, dass ich hastig und unvermittelt umzog.]

Ansonsten bin ich jetz Diplom-Punk. :)

I’ve been sleeping so strange at night

•5. März, 2008 • Kommentar schreiben

Die ganze Geschichte fing im Dezember an und neigt sich mittlerweile ihrem Ende zu, vorerst. Ich war für drei Tage im Kurzurlaub. Der Liebste und ich hatten telefonischen Kontakt, und er erzählte an Tag 1, dass er etwas schlecht geschlafen habe, ansonsten war alles unauffällig alltäglich. An Tag 2 war er recht jovial und insgesamt guter Laune, obwohl er auch diese Nacht nicht besonders gut geschlafen habe. An Tag 3 rief er zwei- oder dreimal an und erzählte jedesmal inhaltlich identische Dinge, unter anderem dass er nachts gar nicht geschlafen habe, den ganzen Tag verwirrt sei und eher aufgekratzt als müde, dass er alles mögliche probiert habe, um zur Ruhe zu kommen, dass er sich so gut mit seinem Vater unterhalten habe und sich ausserdem gerade ein Auto bei einem Händler angesehen habe, was er dann auch bald zu kaufen beabsichtigte.

Vielleicht bin ich selber zu zwanghaft und sicherheitsorientiert, aber das kam mir seltsam vor: sich ein Auto ansehen und es dann direkt kaufen wollen. Ich riet, mindestens eine Nacht drüber zu schlafen, ja, überhaupt erstmal zu schlafen. Man merkte selbst auf jene Distanz: dieser Mensch dort ist sehr unausgeruht, er benimmt sich nicht wie sonst, er denkt nicht wie sonst und er ist irgendwie überreizt. Ich rang ihm das Versprechen ab, bei weiterer Schlaflosigkeit auf jeden Fall am nächsten Tag den Hausarzt aufzusuchen und sich krankschreiben zu lassen. Man kann schlecht arbeiten gehen, wenn man so neben sich steht und dauernd identische Dinge erzählt, weil man vergessen hat, dass man das schonmal sagte. Temporärer Miniatur-Alzheimer macht das Leben nicht sonniger.

Tag 4, ein Donnerstag, begann mit einer SMS des Liebsten, in der er mir mitteilte, nicht geschlafen zu haben und deswegen beim Arzt gewesen zu sein. Er würde sich dann jetzt mal ins Bett legen und richtig ausschlafen. Nun denn. Ich packte meinen Koffer und fuhr zurück in mein normales Leben. Während der Autofahrt rief er mich an, um mir zu sagen, dass er mir was erzählen musste, aber das unmöglich am Telefon tun könne. Seltsam. Vielleicht hatte er vergessen, dass wir verabredet waren und ich direkt aus dem Urlaub zu ihm fahren wollte? Ich war zum Zeitpunkt des Telefonates etwa 120 km entfernt, leicht irritiert und fing an mich zu sorgen.

Eine gute Stunde später stand ich dann vor ihm. Geschlafen hatte er nicht. Müde sah er aus und ein bisschen zerzaust. Abgesehen davon wirkte er nicht unnormal und er freute sich sehr mich zu sehen. Dass er mir dringend was erzählen wollte war ihm mittlerweile wieder entfallen. Naja, vielleicht war es ja nichts Wichtiges. Ich hatte trotzdem ein doofes Gefühl, irgendwas argwöhnisches war da in mir, ganz untypisch für mein sonstiges Ausleben von Wiedersehensfreude. Eigentlich bin ich in solchen Momenten wie ein junger Hund, ganz aufgeregt und euphorisch und kaum zu bremsen. Ich schob sämtliche negativen Gedanken beiseite, packte den Liebsten ein und nahm ihn mit zu mir nach Hause. Nebeneinander schlafen wir normalerweise immer am besten, und eine gute Mütze Schlaf konnten wir wohl beide gebrauchen.

[Fortsetzung folgt.]

We are nowhere and it’s now

•5. März, 2008 • Kommentar schreiben

Ich will versuchen, zu schreiben. Aufschreiben, konservieren, archivieren, von mir aus auch: Zeugnis ablegen. Aber nicht vergessen. Das klappt eh nicht. Ich bin ein zum Erinnern verdammter Erfahrungs-Elefant. Ich vergesse nichts, was mir jemals intensive Gefühle bereitet hat: Sorge, Glück, Schmerz, Freude, Angst, Liebe. Für irgendwas wird es schon gut sein in diesem Leben.

Zur Sache, Schätzchen

•5. März, 2008 • 7 Kommentare

Dieses ist kein Geburtstagskalender für am 29.-Februar-Geborene. Im Grunde genommen beschäftigt sich dieses Blog auch nicht mit sonstigen Schaltjahresphänomenen. Ich fand das Wort nur so schön.

Die Begrifflichkeit prägte nämlich mein Freund während der floriden Phase seiner schizophrenen Psychose, die ihn Mitte Dezember aus heiterem Himmel und ohne Vorzeichen erwischte. Seitdem ist alles ein wenig anders, aber nicht unbedingt schlechter.

Vielleicht ist das hier Aufarbeitung, vielleicht ist es auch ein Neuanfang. Vielleicht handelt dieses Blog von Psychosen, Schizophrenien, Neurosen und unserer gemeinsamen Geschichte. Vielleicht geht es aber auch nur darum, an neuer Stelle weiterzubloggen, nach vier Jahren an anderen Orten. Der letzte Ort war toll, ohne Frage. Trotz allem war es thematisch oberflächlich, mehr oder minder: gesammelte unterhaltsame Anekdoten aus meinem durchschnittlichen Leben, verfasst unter einem nicht wirklich anonymen Pseudonym. Für Anonymität bin ich eigentlich zu offenherzig, und ich bloggte bis dato weder über brisante noch besonders persönliche Themen.

Ich weiss nicht, ob sich das hier ändert. Einen Versuch ist es wert.

Be gone your olden ways, be gone

•4. März, 2008 • 12 Kommentare

Don’t be afraid of anyone
Like seasons, just move on.

Aorta liver ventricles
And other winter vehicles
From indigo to crystalline
You’ve one more chance, so get it right.